Von Britannien bis zum Euphrat: Die Adoptivkaiser

Kaum eine Epoche ist derart glanzvoll geschildert worden und trotzdem zwiespältig zu betrachten wie jene der Adoptivkaiser des Römischen Reiches. Die Inflation im Reich stieg auf neue Rekordhöhen, das Imperium dehnte sich bis in den heutigen Irak und nach Britannien aus, zugleich gab es lange Friedenszeiten, zahllose kulturelle Errungenschaften und am Ende steht der Wahnsinn in Gestalt des Commodus. Das Prinzip der nicht – dynastischen Weitergabe der Macht an den jeweils Besten oder eben an jenen, der der Kaiser dafür hielt, gilt auch in unseren Zeiten als weises Prinzip, das aber an mangelnder Legitimation schlußendlich scheitern musste.

Von Nerva bis Commodus

Nach dem Ende der Flavier und dem Chaos ergriffen mit Nerva und schließlich darauffolgend Trajan Männer die Macht, die adoptiert wurden und dabei das Reich zu enormer Größe führten. Trajans Nachfolger Hadrian, berühmt für seine vielen Reisen, gab hierbei die Provinz Parthia an den ewigen Feind im Osten zurück, zu gewaltig und unregierbar war Rom geworden. Unter Antonius Pius herrschte ein jahrzehntelanger Frieden, Mädchen konnten erstmals Schulen besuchen und sein Nachfolger Marc Aurel gilt gemeinhin trotz vieler Kriege gegen Markomannen und andere als Philosoph auf dem Kaiserthron. Erst der darauffolgende Commodus, der sich für eine Inkarnation von Herakles und Mithras hielt, sorgte wieder für den berühmten Cäsarenwahn und beendete die Epoche.

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Hadrian übernahm von Trajan ein Reich, das von der Wüste am Euphrat im Osten bis nach Britannien reichte und diese Überdehnung erkannte der Kaiser schnell als Problem. Er einigte sich mit den Parthern und gab die berühmte Provinz zurück, sicherte also den Bestand und dieser Verzicht war mit Sicherheit ein Grund für das Erblühen Roms im zweiten Jahrhundert. Die enormen Bauwerke, Siegessäulen, Tempel und Römerstraßen wuchsen empor und Frieden und Wohlstand erreichten auch die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Freilich wurden Gefahren auch teilweise ignoriert oder wie unter Marc Aurel vergeblich bekämpft, denn die den Adoptivkaisern nachfolgenden Severer waren kaum in der Lage, den Sturm durch unzählige Völkerschaften an den Grenzen zu begegnen. Sie machten aber auch durch Gestalten wie Elagabal von sich reden und schufen damit die Voraussetzung für die ungemein schwierige Epoche der Soldatenkaiser im 3. Jahrhundert.